Kirche von S. Giovanni Battista
Auf der östlichen Seite von Piazza Cavour (Cavour Platz) können wir die breite Steinfassade der romanischen Kirche von San Giovanni Battista sehen, die seit der Antike das Privileg hatte, das Sakrament der Taufe zu verwalten. Seit 1724 gibt es hier eine Quelle, ein wiederkehrendes Element in der Nähe einer Pfarre, die als Taufwasser Verwendung findet. Das Gebäude wurde zwischen dem 7. und dem 9. Jahrhundert errichtet. Im Juli 964 wurden die Kirche von San Giovanni und die Pfarre von San Lorenzo dem Bischof Rambaldo vom florentinischen Kapitel gegeben.
1568 erhielt die Kirche von San Giovanni den Titel Pfarrerei, wurde selbständig und löste sich von der Kirche San Lorenzo. Die ursprüngliche Größe der Kirche war beträchtlich kleiner als die Aktuelle. Gemäß Monsignor Bonardi, Autor einer Abhandlung um die Pfarre von Signa, hatte die Kirche drei Kirchenschiffe, die allesamt den Platz des jetzigen rechten Kirchenschiffes einnahmen. Außerdem weiß man von eineqm alten Friedhof, der sich da befand, wo später der Kirchhof errichtet wurde.
Die Kirche wird von den Einwohnern von Signa „Beata“ genannt, sie erlangte ihre Bedeutung, weil sie die sterblichen Überresten der Seligen Johanna birgt.
1348 begannen die Leute den Patron einer kleinen Kapelle zu verehren, die bald ein zentraler Punkt für die Bevölkerung wurde. Um 1361 war die architektonische Struktur der Kapelle wahrscheinlich schon fertig. Am 17. März desselben Jahres hinterließ Michele von Guiduccio testamentarisch 12 goldene Blumen, um die Wände der Kapelle zu verschönern. Dennoch ist es unbekannt, ob dies wirklich durchgeführt wurde.
Ein Dokument von 1386, das die Wiederherstellung des Dachs beglaubigt, lässt uns annehmen, dass außerhalb der Kirche eine Kapelle wiederaufgebaut wurde. Drei Jahre später, und auch in der Zeit von 1394 bis 1400 wurden weitere Renovierungen gemacht. 1441 wurden vier Episoden aus dem Leben der Seligen Johanna auf der linken Wand in Fresken gemalt; im selben Jahr wurde ihr Körper in einer Prozession nach Florenz gebracht, profitierend vom Frieden mit Mailand.
1462, nach einer langen Unterbrechung, wurde die Dekoration mit vier neuen Szenen auf der entgegengesetzten Wand fertig gestellt. An den Wänden des Hauptaltars der Kapelle können wir die ganze Reihenfolge der gemalten Episoden sehen; in den ersten zwanzig Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die kleine Kapelle dem Patron von Signa geweiht und durch die Konstruktion eines neuen Kirchenschiffs vergrößert.
1539 erwog das florentinische Kapitel seine eigenen Häuser zu zerstören, um einen Platz vor der Kirche zu schaffen; doch erst 1662, so wie der Grabstein auf der Fassade beglaubigt, wurde der vorstehende Platz, der ursprünglich ein Friedhof war, gepflastert.
Die Kirche wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts umgestaltet und der beträchtliche Umbau wurde 1908 beendet: das erste Kirchenschiff wurde geschlossen, außer dem Platz, wo heute das Taufbecken steht. Der zentrale Abschnitt wurde erhoben und verbreitert, das Innere wurde heller, damit mehr Licht durch die mittlere Tür sickert, die Terrasse oben wurde auf Kragstein gesetzt, der heute das rechte Portal krönt.
Das linke Kirchenschiff wurde an der Stelle der kleinen Kapelle geschaffen, die der Jungfrau Maria gewidmet wurde, eine dritte Tür wurde an der inneren Fassade des neuen Kirchenschiffes geöffnet, um den Entwurf symmetrischer zu gestalten. 1949 kam es zur letzten, wesentlichen Arbeit: das gesamte Weißen des Inneren der Kirche.
Auf dem Türsturz des rechten Eingangs sieht man das Wappen der Gemeinde Signa (1393), wo ein Turm und eine Brücke mit sieben Bögen dargestellt ist, die jener ähnelt, die über den antiken Arno führte.
Auf der rechten Seite an der Kirchenfassade finden wir ein Grab, mit dem Wappen von Mori-Ubaldini, so bestätigt sich die Anwesenheit des alten Friedhofs.
Auf der Tür, die zum Kreuzgang führt, können wir das Sinnbild des Kapitels von Florenz sehen, das einen Cherubin darstellt, seine Anwesenheit erinnert, dass die Kirche vom Bischof Rambaldo dem florentinischen Kapitel gegeben wurde.
Im Inneren sehen wir das hervorragende Wappen aus verglaster Terrakotta, das von Andrea della Robbia (1498 – 1503) gemacht wurde.
Am Anfang des linken Kirchenschiffs befindet sich der Sant´Antonio di Padua, ein Steinrelief von Giuseppe Santelli. Links des Hauptaltars steht die Kapelle, die der Muttergottes geweiht wurde, und über dem Altar gibt es eine hölzerne Skulptur (1714) von Umberto Bartoli, die den Toten Christus darstellt.
Auf dem Gewölbe sehen wir Engel, die von Giuseppe Santelli in der Zeit von 1930 bis 1940 in Fresken gemalt wurden. Auf der Vorderseite des großen zentralen Bogens gibt es ein modernes Fenster aus Farbglas mit dem Bildnis der Seligen Johanna; neben dem Hauptaltar befindet sich ein hölzernes Kruzifix von dem Bildhauer Bartoli.
Die Kapelle des Hauptaltars bewahrt ein Freskogemälde, das Lebensszenen des Patrons darstellt und von zwei verschiedenen Künstlern gemacht wurde: das Freskogemälde auf der linken Wand wurde dem so genannten “Meister von 1441” zugeschrieben, der ein anonymer Künstler war und das Datum (1441) in einer der Szenen schrieb; die anderen Fresken auf der rechten Wand wurden von dem “Meister von Signa” (1462) gefertigt.
Die Beschriftung, die unter den vier Szenen der linken Wand liegt, sagt: “Im Jahre des Herrn MCCCCXXXXI am 28. März bestellte und kaufte Andrea di Sandro di Palazuo vocanti Pucciarelli diese Szene”.
Rechts davon steht "MINIATO LOR CAMARLINGO A. D. MCCCXXXXXXII" es lässt uns denken, dass die Reihenfolge von einer Gruppe von Religiösen gekauft wurde. Darunter sieht man die leichte Spur einer griechischen Beschriftung, in lateinischem Charakter: "AGIOS 0 TREOS AGIOS SCHIROS AGIOS TO THANATOS ELEIMAS".
1673 wurde die Kapelle der Seligen Johanna mit einem Eisengitter begrenzt; heute umgibt ein Teil davon die Kapelle, die das Taufbecken enthält, und der andere Teil dekoriert die Seitentür der Bruderschaft vom Santissimo Sacramento in der Kirche von San Lorenzo.
1716 hat der Florentiner, Antonio Bastiano Liberati, ein Projekt gezeichnet, um den Altar der Seligen Johanna zu erneuern. Drei Jahre später haben der Großherzog Cosimo III, so wie die ganze großherzögliche Familie, Lorenzo del Rosso und die Gemeinschaft von Signa sich am finanziellen Aufwand beteiligt, um den Sarg, der den Körper der Patronin enthält, zu erneuern. 1738 wurde die Kapelle mit Werken von den Malern Pillori, Paci und Giarrè verschönert.
Heute werden die sterblichen Überreste der Seligen Johanna in der Kapelle aufbewahrt, die rechts des Hauptaltars steht. Sie wird nur am Ostermontag, dem Festtag der Heiligen Johanna geöffnet. Das Grab wurde aus Marmor gemacht und ist mit einer Büste der Seligen Johanna dekoriert, die wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt.
Das rechte Kirchenschiff schließt mit der Kapelle, die einen kleinen Tabernakel aus Stein und das wertvolle Taufbecken aus Marmor (1480) enthält, das von Vater Domenico di Filippo von Gangalandi gekauft wurde. Die beiden Arbeiten wurden wahrscheinlich im Bottega von "da Maiano" gemacht.
Die Statue, welche San Giovanni Battista darstellt, ist eine Kopie, die in der Werkstatt von Signa gemacht wurde, das Original stammt von Benedetto da Maiano; es wird im Sala di Gigli (Zimmer der Lilien) im Palazzo Vecchio, in Florenz, bewahrt.
1976 wurde ein Gemälde von Orazio Fidani, das Martyrium eines heiligen Abtes darstellt, in die Rondò di Bacco (Bacchus Rundbau) des Palazzo Pitti (Pitti Palast) gebracht.
Im Kreuzgang, der durch den Zugang der Sakristei erreicht wird und rechts der Kirche, gibt es einige Wappen.
Links der Kirche gibt es eine Gallerie, die 1724 dank der Bruderschaft der Jungfrau Maria und der Heiligen Johanna errichtet wurde. Das Zwischengeschoß, das es schon im ursprünglichen Projekt gab, wurde für Bankette genützt, die nur zu besonderen Anlässen gehalten wurden: die Feiern der Patronin, also am Ostermontag und am 9. November, ihrem Todestag.
